Moog REKOFA GmbH feiert 100-jähriges Jubiläum

Ahrweiler, 21. Januar 2021 – Moog REKOFA GmbH feiert 100-jähriges Jubiläum.  

Am 20.01.1921 wurde in Ahrweiler die RhEinische KOhlenbürstenFAbrik AG gegründet.

Sie hat sich unter wechselnden Bedingungen über ein Jahrhundert sehr erfolgreich am Markt behauptet und sich am heutigen Standort in Antweiler/Ahr als innovatives und international agierendes Unternehmen einen Namen als Spezialist für rotierende Schleifringübertrager gemacht.

Bei der Gründung startete man mit 20 Mitarbeitern und 23 Pfennig Stundenlohn. Mit Weitblick und Tatkraft erreichte die Gründerfamilie (ab 1927 mit Franz Wenzel als Vorstand) bereits Ende der 1920er Jahre, trotz weltwirtschaftlicher Probleme, mit 60 Mitarbeitern 30% Exportanteil. Zu Beginn konzentrierte man sich auf die Fertigung sog. Kohlebürsten. Diese übertragen Ströme von stehenden auf rotierende Bauteile, wie sie z.B. in Motoren verwendet werden. Mit der Industrialisierung stiegen auch Bedarf und Anspruch an die Kohlebürsten. Das Unternehmen investierte, forschte und stellte sich mit Erfolg dem Markt. Die Marke REKOFA ist seit 1936 weltweit geschützt.

 

Gründung REKOFA

Nach dem 2. Weltkrieg, Franz Wenzel starb 1944, übernahm seine Frau Else das in eine KG umgewandelte Unternehmen. Ihre Kinder traten als Kommanditisten ein, während die französische Besatzungsmacht das Werk demontierte. 1948 übernahm Ludwig Kremers die Geschäftsleitung und sorgte mit technischem Fortschritt dafür, dass das Unternehmen wieder auf die Beine kam. Durch die Expansion auf 500 Mitarbeiter stand im Umkreis kein Personal mehr zur Verfügung und ausländische Fachkräfte u.a. aus Spanien wurden angeworben. Zusätzlich mietete man 1960 Räumlichkeiten der Raiffeisen in Antweiler und begann mit der Planung eines Neubaus. Im November 1961 zogen 100 Beschäftigte feierlich in die Bergstraße 41 in Antweiler ein. Zum 01.01.1966 übernahmen Elses Söhne Franz jun., Karl, Hans und Fritz die Geschäftsleitung.

Lieferprogramm der 1960er Jahre

Als Hersteller von Schleifkohlen, die in den Walporzheimer Ringöfen gefertigt wurden, erarbeitete sich die Rekofa einen hervorragenden Ruf. Parallel dazu wurde das Fertigungsprogramm stetig erweitert, so dass man auf dem 2,8 ha großen Areal auch sog. Klemmbretter, Schleifringkörper, mechanische Kohlen und Kollektoren herstellte.

Ein großer Schritt, der die Erfolgsgeschichte der heutigen Rekofa begründete, war der Start der Produktion von Schleifringübertragern für den Panzer Leopard 1. Die Rekofa bekam aufgrund ihrer Reputation 1960 den Zuschlag des Herstellers Wegmann. Diese neuen Produkte ermöglichten es, Ströme, Daten und sogar Medien von stehenden (Unterwagen) auf dann endlos rotierende (Panzerturm) Bauteile zu übertragen.

Das Projekt brachte großen Erfolg und weitere Arbeitsplätze an die Ahr. Ende der 1970er Jahre allerdings, machte Wegmann der Rekofa ein Übernahmeangebot. Die Gebrüder Wenzel lehnten ab. Wegmann kaufte einen Wettbewerber der Rekofa und baute fortan die Schleifringübertrager selbst. Der Zuschlag für den „Leo 2“ blieb aus.

Rekofa 1960er

Neufindung

Die Unternehmensleitung ließ sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen, sondern konzentrierte sich auf neue Märkte und expandierte mit zehn Vertriebsbüros und Fertigungsstätten im Ausland. Als erster Industriekunde konnte 1982 BMW gewonnen werden. In den Fertigungsanlagen der PKW-Produktion wurden (und werden auch heute noch) sogenannte Schweißdrehtische u.a. mit 3er-Teilung eingesetzt. An Station 1 legt ein Arbeiter Stahlteile ein. Der Tisch dreht 120°, an Station 2 schweißt ein Roboter die Teile zusammen. Der Tisch dreht erneut, an Station 3 wird z.B. die Tür entnommen. Die zur Fixierung benötigten Komponenten werden über Schleifringübertrager mit Luft und Elektronik versorgt. Ein Datenbus überwacht, dass die Teile korrekt arbeiten.

Kunden-Vorteil: Damit die Kabel bei der Drehung nicht abreißen, musste man bisher 240° zurückdrehen. Durch die Rekofa-Produkte konnte man nun 120° weiter in die gleiche Richtung rotieren und gewann Flexibilität und Zeit.


Verkauf des Unternehmens

Mit dem Vertrieb der Schleifringübertrager wurden starke Zuwächse erreicht. Diese waren auch notwendig, denn immer mehr bürstenlose Drehstrom-Motoren kamen auf den Markt und der Umsatz des Gründungsproduktes sank. Zwischenzeitlich hatte mit Hans-Volker Wenzel die dritte Generation die Geschäftsleitung übernommen. Aufgrund des tiefen Produktportfolios und der langfristigen Kundenbindungen, wurde das Familienunternehmen zusehends für andere Firmen interessant. Die Morgan Gruppe aus Windsor/UK kaufte die Rekofa im Jahr 1998 auf. Morgan hatte starkes Interesse an den hochwertigen Schleifkohlen und deren Rezepturen, aber auch an den Geschäftsfeldern Schleifringübertrager und lineare Stromabnehmerwagen (seit 1979).

2004 verlagerte Morgan die Kohlefertigung nach Ungarn. Über 100 Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Dies war ein harter Einschnitt für den gesamten Kreis AW.

Aufbruchstimmung und Investitionen in die Zukunft

Ab 2006 wurde die Produktionsstätte in Ahrweiler immer weiter verkleinert und Teile davon verkauft. Parallel wurde die Fertigung der linearen Stromübertragung mit 50 Mitarbeitern nach Remagen umgesiedelt. Während dieser Phase wurde der Standort Antweiler ausgebaut. Morgan eröffnete dort mit rund 100 Mitarbeitern sein „Center of Excellence“ für Schleifringübertrager mit dem Fokus auf weltweite Wachstumszahlen. Hierfür wurde vor allem in die Mitarbeiter und Ausstattung z.B. des Prüflabors investiert. Eigene Klimatestschränke wurden angeschafft, um den Kundenwünschen der Windkraftindustrie nach 20 Jahren Standzeit gerecht werden zu können. Zwischenzeitlich beliefert die Rekofa 17 Branchen mit 70 verschiedenen Applikationen. Darunter Verpackungsanlagen, Industrieroboter, OP-Lampen und Drehtüren.

Die Rekofa konnte ihren Führungs- und Qualitätsanspruch bei der Entwicklung und Produktion von Schleifringübertragern stets ausbauen. Die weltweit erste Zertifizierung eines Drehverteilers mit Lichtwellenleiter für Profinet in 2013 ist nur ein Beweis. Parallel dazu entwickelte man preiswerte Alternativen für neue Märkte. Abermals forschte man mit neuen Beschichtungen der Schleifbahnen aus Rhodium, Gold und Silber, welche starken Einfluss auf die Qualität der Stromübertragung haben. Mit daraus resultierenden Standards gewann man neue Kunden in der Baubranche und beliefert heute die größten Mobilbagger-Hersteller der Welt – samt Quality-Award in 2015.

Zusätzlich zur Zertifizierung nach ISO9001 (1996) erlangte man 2017 die Zertifizierung nach Umweltstandard ISO14001 und erhöht stetig die eigenen Umweltbemühungen.


Erneuter Verkauf – Einstieg der Moog Inc.

Im April 2017 übernimmt Moog Inc. aus East Aurora/USA das Geschäft in Antweiler und Oliver Follmann – langjährige und erfahrene Führungskraft der REKOFA – wird neuer Geschäftsleiter nach Klaus Hoffmann. Moog ist globaler Marktführer im Bereich Schleifringübertrager – vor allem in den Branchen Defense, Aircraft und Testanlagen. Mit der Übernahme will Moog sein Produktportfolio gerade in der extrem preisgetriebenen industriellen Branche erweitern. Hier konnte die Rekofa über die letzten Jahre mit technischen Ideen nicht nur Kundenwünsche umsetzen, sondern auch mit stetiger Produktionsoptimierung die Kosten wettbewerbsfähig halten. Das klare Ziel ist es, das Geschäft künftig gemeinsam auszubauen.


Die Zukunft

Anfang 2021 arbeiten in Antweiler knapp 90 MitarbeiterInnen plus 50 Beschäftigte im Großserien-Werk Nyrany/CZ. In Frankreich eröffnete die REKOFA 1979 ein Werk. In St. Memmie bauen 11 Kollegen größte Schleifringübertrager für Schiffsantriebe.

Die Unternehmensleitung hat weitere Investitionen vorgesehen: In einem Erweiterungsbau soll u.a. nochmals das Entwicklungszentrum vergrößert werden. Antweiler ist gewappnet, die komplexen Testaufgaben seiner internationalen Kunden im Vorfeld der Prototypen zu erfüllen.

Parallel schaut man auf weitere Zielmärkte wie Fahrgeschäfte und Bewässerungsanlagen. Mit Blick auf wirtschaftlich unruhige Zeiten und den asiatischen Preisdruck möchte man möglichst breit aufgestellt sein. Auch der Export-Anteil soll weiter erhöht werden – hier hilft die konzernweite Zusammenarbeit mit 50 Moog-Standorten in 30 Ländern.

Mit einem motivierten Team aus erfahrenen und Nachwuchskräften schaut die Moog Rekofa Antweiler selbstbewusst und positiv in die Zukunft. Innovationen und Verlässlichkeit waren schon immer der beste Ratgeber für die Kundenbindung in allen Branchen. Damit verbunden sieht die Geschäftsleitung auch ihre Verantwortung als einer der größten Arbeitgeber an der Ahr. Beim Festakt im Sommer finden die Feierlichkeiten ihren gebührenden Höhepunkt.

Ahrweiler 2020

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Über Moog Industrial

Moog Inc. ist ein weltweiter Entwickler, Hersteller und Integrator von Präzisionssteuerungsbauteilen und -systemen. Moog Industrial Group bietet hochzuverlässige Produkte, Lösungen und Service für Bewegungssteuerungen sowie Energie- und Daten-Technologien. Wir verbinden Weltklasse-Technologien mit professioneller Unterstützung durch unsere Experten in einer Reihe von Anwendungen wie z.B. Energieerzeugung, industrielle Produktionsanlagen, Marine, Simulation- und Test. Unsere Experten helfen leistungsorientierten Unternehmen, ihre Maschinen der nächsten Generation zu entwickeln. Im Geschäftsjahr 2017 erzielte Moog Industrial Group mit über 40 Standorten weltweit einen Umsatz von 843 Mio. USD. Die Gruppe ist Teil der Moog Inc. (NYSE:MOG.A und MOG.B), deren Umsatz sich zuletzt auf 2,5 Mrd. USD belief. Weitere Informationen finden Sie unter www.moog.com/industrial.